Die im Rahmen des Strukturwandelprojektes „Innovationsregion Mitteldeutschland“ erstellten Studien untersuchen die Potenziale des Handwerks und des Aufbaus von Kooperationsorten zur Stärkung des ländlichen Raums im Mitteldeutschen Revier.
Die im Rahmen des Strukturwandelprojektes „Innovationsregion Mitteldeutschland“ erstellten Studien untersuchen die Potenziale des Handwerks und des Aufbaus von Kooperationsorten zur Stärkung des ländlichen Raums im Mitteldeutschen Revier.
„Der ländliche Raum des Mitteldeutschen Reviers ist besonders vom Kohleausstieg und vom demografischen Wandel betroffen und bietet gleichzeitig bislang ungenutzte Potenziale für die wirtschaftliche Entwicklung der Gesamtregion“, erklärt Henning Mertens, Handlungsfeldmanager „Wertschöpfung und Innovation“ bei der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland. „Diese fokussieren wir mit den jetzt vorgelegten Untersuchungen mit dem Ziel, die Innovationskraft, Attraktivität und soziale Bindung in den Landkreisen zu stärken“, so Henning Mertens weiter.
Handwerk wichtiger Wirtschaftsfaktor, aber mit Nachholbedarf bei Innovationen und Digitalisierung
Die Studie „Zukunftsfaktor Handwerk“ untersucht die Entwicklungs-, Innovations- und Wertschöpfungspotenziale der rund 23.000 Handwerksbetriebe mit rund 150.000 Beschäftigten im Mitteldeutschen Revier. Diese sind im bundesweiten Vergleich sehr kleinteilig strukturiert, die durchschnittliche Beschäftigtenzahl liegt in der Region zwischen 5,5 und 7,5 Personen pro Betrieb. Trotzdem kommt dem Handwerk eine große regionalwirtschaftliche Bedeutung zu. Während der Umsatzanteil des Handwerks an der Gesamtwirtschaft bundesweit nur 8,3 Prozent beträgt, liegt er in Sachsen bei 16,4 Prozent und in Sachsen-Anhalt sogar bei 20,6 Prozent.
Zu den größten Herausforderungen für das Handwerk gehört laut der Studie die angespannte Fachkräftesituation der Unternehmen durch die sinkende Zahl an Erwerbstätigen. Dies werde mittelfristig dazu führen, dass die Knappheit an Handwerksleistungen zunehme, besonders im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe. Darüber hinaus bestehe Nachholbedarf bei der Digitalisierung von betrieblichen Prozessen und im Innovationsmanagement. So sei die Vernetzung zwischen Handwerksbetrieben und regionalen Innovationsakteuren, wie Hochschulen, Dienstleistern und Industrieclustern bislang nur schwach ausgeprägt. Auch nutze das Handwerk in nur vergleichsweise geringem Maß auf Innovation ausgerichtete Förderprogramme, etwa aufgrund fehlender personeller Ressourcen und zu hoher bürokratischer Hürden. Auf Basis der Analyse gibt die Studie eine Reihe an Handlungsempfehlungen zur Stärkung des regionalen Handwerks in den Themenfeldern „Fachkräfte“, „Innovation und Kooperation“, „Digitale Prozesse“ und „Industrielle Netzwerke und Cluster“. Dazu gehören unter anderem:
Kooperationsorte als Ankerpunkte im ländlichen Raum
Die zweite jetzt veröffentlichte Studie untersucht die Möglichkeit des Aufbaus eines flächendeckenden Netzes von „Kooperations- und Innovationsorten“ im Mitteldeutschen Revier. Kooperationsorte verknüpfen dezentrale Arbeitsformen wie Coworking-Spaces mit öffentlichen und sozialen Funktionen, etwa Bürgertreffs, Tourist-Informationen und kulturelle Angebote an einem Ort. In diesem Zusammenspiel sollen sie als attraktive Ankerpunkte dienen, um die soziale Bindung im ländlichen Raum zu fördern und die Attraktivität für junge Menschen zu erhöhen. Unter Innovationsorten wird ein virtueller oder realer Ort verstanden, an dem zu einem Oberthema Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Startups und weitere Innovatoren gemeinsam an der Entwicklung und Implementierung von Innovationen arbeiten.
Für das mittelfristige Ziel der Etablierung von 5 bis 15 Kooperationsorten pro Landkreis gibt die Studie eine Reihe an Handlungsempfehlungen, unter anderem:
Darüber hinaus wurde im Rahmen der Studie ein Handbuch zur Entwicklung von Kooperationsorten entwickelt, dass in den kommenden Wochen veröffentlicht wird. Es soll Kommunen und privaten Initiativen als praxisnaher Leitfaden beim Aufbau von Kooperationsorten helfen.
Wenig Potenzial für Innovationsorte – Studie empfiehlt Bedarfsanalyse
Im Vergleich dazu sieht die Untersuchung – mit Ausnahme bereits bestehender oder geplanter Projekte wie dem Glascampus Torgau und dem Bioeconomy Hub Leuna – aktuell nur ein geringes Potenzial für ein flächendeckendes Netzwerk an Innovationorten im ländlichen Raum. Dazu fehle eine kritische Masse an potenziellen Akteuren wie Startups, innovativen KMUs und Forschungseinrichtungen außerhalb der Oberzentren Leipzig und Halle (Saale). Deshalb wird zunächst die Schaffung von Basisstrukturen zur Vernetzung und eine detaillierte Bedarfsanalyse empfohlen. Dieser Prozess solle von Kommunen, Wirtschaftsförderungen und Landkreisen kontinuierlich verfolgt werden, sodass zukünftige Initiativen oder Bedarfe für Innovationsorte zielgerichtet unterstützt werden könnten.
Pressekontakt:
Kai Bieler
Pressesprecher
Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH
Tel.: 0341 / 6 00 16- 19
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